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Arbeiten in Klasse 5/6

 

Grundlagen

 

Die GHS Nendingen besitzt eine "vollwertige" Hauptschule, die den Schülern bis zur neunten Klasse die gleichen Bildungschancen wie eine Werkrealschule bietet und die auch von der Ausstattung her nicht hinter größeren Schulen zurückstehen muss. Aber es ist eine kleine Hauptschule. Dies hat auf der einen Seite Vorteile: Alles ist ziemlich überschaubar, man kennt sich, das Verhältnis zwischen den Menschen an der Schule ist in vielen Fällen persönlicher als auf einer großen Schule. In kleinen Klassen besteht eher die Chance, auf die einzelnen Schüler einzugehen, sie gezielter zu fördern. Insbesondere für weniger selbstbewusste Kinder oder für solche, die in der Grundschule aus irgendwelchen Gründen nicht so gut zurecht gekommen sind, bietet eine kleine Schule sicherlich Vorteile.

Auf der anderen Seite stehen kleine Hauptschulen natürlich immer in der Diskussion, ob sie erhalten werden können oder sollen. Seit einigen Jahren arbeiten wir deshalb an einem besonderen Profil, um unsere Hauptschule zu stärken. Im Januar 2007 war beschlossen worden, ein reformpädagogisches Schulkonzept in Anlehnung an die Montessoripädagogik für die gesamte GHS Nendingen zu entwickeln. In der Grundschule ist dieses Konzept schon weitgehend umgesetzt. Die Organisationsformen der Grundstufe lassen sich aber nicht einfach auf die Sekundarstufe übertragen. Nach den örtlichen Gegebenheiten muss ein eigener Weg gefunden werden, wesentliche Prinzipien der Montessori-Pädagogik auch in unserer Hauptschule zu verwirklichen. Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Manches ist zwar erreicht, anderes muss jedoch weiterentwickelt und verbessert werden.

Als staatliche Regelschule sind wir auch nicht völlig frei in unseren Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, wir müssen uns vielmehr an bestimmte Vorgaben halten (Bildungsstandards, Zeugnisse, …) und sind z.B. auch von den finanziellen Möglichkeiten des Schulträgers und der Personalsituation abhängig. Zudem sind Hauptschulen in Baden-Württemberg zurzeit in einem stetigen Wandel begriffen und müssen sich in den letzten Jahren oft recht kurzfristig auf veränderte Bedingungen einstellen, bzw. Reformen umsetzen.

Die Weiterentwicklung des Schulprofils und die Umsetzung der Montessori-Pädagogik finden bei uns also in einem Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen des Kindes und den Erwartungen und Anforderungen der Gesellschaft statt. Wir machen deshalb nicht alles anders als traditionelle Schulen, aber wir bemühen uns in unterschiedlichen Bereichen, den Schülern das Lernen nach den Grundsätzen Maria Montessoris zu ermöglichen. Und mit Frau Keller haben wir inzwischen auch in der Hauptschule eine Lehrerin mit Montessori-Diplom.

 

 Arbeiten in der Hauptschule Nendingen

 

Das Lernen in der Haupt-/Werkrealschule ist auf die Bildungsbedürfnisse und auf den Bildungsanspruch von Schülerinnen und Schülern mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen zugeschnitten. Deshalb stellt sich die Haupt-/Werkrealschule auf die Förderung unterschiedlicher Begabungen, Neigungen, Interessen, Kultur- und Sozialerfahrungen ein, nimmt die mannigfachen Lernvoraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler auf, fördert ihre Motivation und ihre Leistungsbereitschaft und führt sie zu gesicherten Lernergebnissen.

 (siehe: Kultusportal Baden-Württemberg: Das pädagogische Konzept der Werkrealschule und Hauptschule ab dem Schuljahr 2010/2011)

 

Auch in unserer Hauptschule ist es uns wichtig, die Kinder in ihrer Individualität wahrzunehmen und ihnen einerseits möglichst viel Freiraum für ihren eigenen Lernweg zu ermöglichen, andererseits sollen sie auch gemeinsames Lernen und Arbeiten in der Klassengemeinschaft erleben. Die Lerninhalte orientieren sich sowohl am Bildungsplan Baden-Württemberg als auch an den individuellen Bedürfnissen der Kinder.

In die Hauptschule kommen häufig Schüler, die in der Schule und beim Lernen schon einige Enttäuschungen erlebt haben und bei denen wichtige Grundlagen beim Lesen, Schreiben und Rechnen noch nicht richtig entwickelt oder gefestigt sind. Manchen Kindern gelingt es noch nicht, Ordnung und Übersicht in ihr Arbeitsmaterial zu bringen, Arbeitsblätter sinnvoll zu gestalten oder sich angemessen sprachlich zu äußern. In der fünften Klasse möchten wir bei diesen Kindern deshalb vor allem wieder Freude am Lernen wecken, Erfolgszuversicht und Anstrengungsbereitschaft fördern, wichtige Grundlagen für ein erfolgreiches Lernen und Arbeiten und solide Basiskompetenzen in Mathematik, Deutsch und Englisch vermitteln.

 

Wichtige Bestandteile unseres Unterrichts in Klasse 5/6:

  • Freiarbeit und / oder andere offene Unterrichtsformen wie z. B. Projekt- und Wochenplanarbeit
  • eine „vorbereitete Umgebung“ im Klassenraum als Angebot für selbstständiges Lernen bzw. eigene Lernprojekte
  • gebundene Unterrichtsformen, in denen gemeinsam vorgegebene Themen erarbeitet werden
  • aktives und handlungsorientiertes Lernen in offenen und gebundenen Unterrichtsformen
  • Unterricht in jahrgangsgemischten Gruppen, teilweise innerhalb von Klassen, teilweise klassenübergreifend, z.B. in Religion oder LIPSA
  • Lernstandsdiagnosen in Klasse 5
  • Förderstunden, teilweise mit Unterstützung durch eine pädagogische Assistentin
  • Methodentraining
  • außerunterrichtliche Aktivitäten (z.B. Schullandheimaufenthalt, Besuch Stadtbibliothek, Lesenacht, Teilnahme am Vorlesewettbewerb, am Weihnachtsmarkt, bei der Imta, …)

 

Dazu einige Erläuterungen:

Freies Arbeiten und gebundener Unterricht:

 „Ein wesentliches Element des Unterrichts nach Maria Montessori ist die Freiarbeit, in der jeder Schüler sein Arbeitsmaterial frei wählen und sein Arbeitstempo selbst bestimmen kann. … Der Unterricht ist nicht mehr lehrer-, sondern schülerzentriert; er richtet sich nach den Bedürfnissen des einzelnen Kindes, nicht nach der Klasse als Einheit. Nur so kann sich ein Kind frei entwickeln, es kann Fähigkeiten erlangen, die es im Fachunterricht in diesem Maße nicht erreichen kann, nämlich Selbstständigkeit, Konzentrationsfähigkeit und Selbstbewusstsein…. "

(Siehe: Norma Kreuzberger: Erziehung zur Persönlichkeit, Auer S.8 f )

 

Freiarbeit in der Hauptschule – warum?

  • neue Anforderungen an die schulische Bildungsarbeit: Vermittlung zukunftsgerechter Schlüsselqualifikationen wie Selbstständigkeit, Methodenkompetenz, Teamfähigkeit, Eigeninitiative…
  • unterschiedliche Voraussetzungen der Schüler (Interessen, Leistungsvermögen, Vorkenntnisse, Arbeitstempo, …)

Vorteile der Freiarbeit

  • ermöglicht Differenzierung
  • persönliche Arbeits-, Lernzeit ist höher
  • „selber tun“ = besser verstehen, mehr können
  • Steigerung des Selbstvertrauens durch Erfolgserlebnisse
  • höhere Motivation bei selbstgewählter Arbeit

Der Einstieg in die Freiarbeit muss aber in kleinen Schritten erfolgen. Kinder die nicht gelernt haben, mit der Freiheit umzugehen, bedürfen der Führung durch den Lehrer. Obwohl einige unserer Hauptschüler freies Arbeiten aus der Grundschule bereits kennen, kommen nicht alle ohne weiteres damit zurecht. Zunehmend besuchen unsere Hauptschule auch Schüler aus anderen Gemeinden, die wenig oder keine Erfahrungen mit Freiarbeit haben. Deshalb spielen in Klasse 5/6 auch andere, etwas weniger offene Unterrichtsformen eine Rolle, wie beispielsweise Lernzirkel, Lerntheke, fächergebundene Freiarbeit, Tages- oder Wochenpläne.

Wir finden in der Hauptschule aber auch gebundene Unterrichtsformen, beispielsweise in folgenden Bereichen:

  • Morgenkreis zum Wochenbeginn
  • Einführungsstunden in Mathematik, Englisch, Deutsch und in den Fächerverbünden
  • Präsentationen
  • Religion, MSG (Musischer Bereich), WAG (Technik, Hauswirtschaft Textiles Werken), …

Während in der Freiarbeit die Kinder selbstbestimmt aktiv werden, wird dies im gebundenen Unterricht durch den Lehrer organisiert und angeleitet. Der stärker lehrergeleitete Unterricht kann für einige Schülerinnen und Schüler entlastender und motivierender sein, nämlich dann, wenn sie weder bereit noch in der Lage sind, selbstbestimmt und selbstverantwortet zu arbeiten, wenn z.B. Vorkenntnisse und bestimmte Arbeitstechniken fehlen. Die Anleitungen und Hilfestellungen der Lehrkräfte sind für diese Schüler unverzichtbar.

Es gibt aber auch Lernfelder, die in der Freiarbeit nicht möglich sind. Dazu gehören beispielsweise gemeinsame körperliche Betätigung oder gemeinsames Musizieren. Auch alle Formen des Gesprächs über gemeinsame Themen gehören hierher, egal zu welchem Fach sie gehören und egal in welcher Sprache.

So gesehen geht es nicht um Freiarbeit oder gebundenen Unterricht sondern um die sinnvolle Kombination beider Ansprüche. Dabei orientieren wir uns vorrangig an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Schüler.

Wo dies möglich ist, bekommen die Schüler schon in den unteren Klassen Gelegenheit, eigene Interessen einzubringen und sich selbst Themen zu suchen, mit denen sie sich befassen und die sie in irgend einer Form präsentieren möchten. Ab der siebten Klasse wird Projektarbeit ein immer wesentlicherer Teil des Unterrichts. Projektunterricht bildet nämlich den Kern der Unterrichtsarbeit mit Jugendlichen im Sinne Maria Montessoris. Aber auch in unseren Bildungsplänen wird diese Arbeitsform zunehmend gefordert (-> Projektprüfung in Klasse 9). Die Jugendlichen bearbeiten dabei möglichst selbst gewählte Themen fächerübergreifend und in ganzheitlichen Zusammenhängen. Selbstorganisierte Teamarbeit wird eingeübt, bei der Informationsbeschaffung im Internet, in Bibliotheken und bei außerschulischen Fachleuten werden Selbstständigkeit und Selbstvertrauen weiter entwickelt. Für die Ergebnisse der Arbeit übernehmen die Schüler die Verantwortung und stellen sich beispielsweise mit einem Vortrag oder einer Präsentation der kritischen Beurteilung ihrer Mitschüler und Lehrer, manchmal auch der Eltern oder der Öffentlichkeit.

 

Jahrgangsübergreifendes und jahrgangsgetrenntes Arbeiten:

Wissenschaftliche Erkenntnisse und schulpraktische Erfahrungen sprechen für die Jahrgangsmischung unter zwei Aspekten:

Wissenserwerb

  • Jüngere werden von Älteren angeregt
  • Jüngere lernen von Älteren
  • Jüngere sehen ihre Grenzen, die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung wird gefördert
  • Ältere vertiefen ihren Lernstoff durch erneutes Erklären oder Zeigen für die Jüngeren

Soziales Lernen

  • gegenseitiges Helfen, Tolerieren und Rücksicht nehmen wird gefördert
  • im Umgang miteinander können Schüler unterschiedlichen Alters allgemein mehr und vielseitigere Erfahrungen sammeln
  • klarere Rollenverteilung – weniger Konkurrenzdenken

Im traditionellen Schulsystem ist es üblich und teilweise auch sinnvoll, die Klassen nach Jahrgängen getrennt zu unterrichten, z.B. in Mathe oder Englisch oder bei der Prüfungsvorbereitung in Klasse 9.

An unserer Schule gibt es beide Formen. Aufgrund geringer Schülerzahlen wurden in unserer Hauptschule schon immer Klassen zusammengelegt oder in einzelnen Fächern jahrgangsübergreifend unterrichtet. Im vergangenen Schuljahr 2010/2011 war dies in Klasse 5/6 und 7/8 der Fall. Hier wurden nur noch die Kernfächer Mathematik und Englisch jahrgangsgetrennt unterrichtet. Im WAG-Bereich wurden jahrgangsübergreifende Gruppen gebildet.

 

Arbeiten mit dem Material und Arbeiten mit dem Schulbuch:

Bis Klasse 8 finden die Schüler auch in den Klassenzimmern der Hauptschule eine "vorbereitete Umgebung" mit Materialien zu verschiedenen Fächern und Bereichen vor, mit denen sie selbstständig arbeiten können. Das können klassische Montessori-Materialien sein, aber auch andere Freiarbeitsmaterialien, wie z. B. Karteien, Legematerial, Spiele, usw. Außerdem sind die Räume mit einer Bücherecke mit Kinder- und Jugendbüchern sowie Sachbüchern und Lexika ausgestattet, ebenso mit wenigstens einem Computerarbeitsplatz.

Daneben verwenden wir im Unterricht der Hauptschule aber auch Schulbücher. Sie kommen sowohl bei der Erarbeitung eines Themas, als auch beim Üben (z.B. im Rahmen eines Wochenplans), für differenzierte Aufgabenstellungen oder für Hausaufgaben zum Einsatz.

 

Lernbegleitung und Leistungskontrolle:

Insbesondere bei der freien Arbeit oder beim projektorientierten Arbeiten ist es die wichtigste Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, die Schüler "liebevoll" zu beobachten, zu erkennen, wo sie in ihrem Entwicklungs- und Lernprozess stehen, wo es eventuell Hindernisse gibt, und sie gegebenenfalls individuell zu beraten und zu unterstützen.

Individuelle Förderung hat aber auch grundsätzlich im Konzept der neuen Haupt-/Werkrealschule und bei allen Maßnahmen zur Stärkung der Hauptschule große Bedeutung. Dazu sollen die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Schülers möglichst objektiv erfasst werden, um daraus geeignete Fördermaßnahmen ableiten zu können.

In Klasse 5 wird dazu eine Lernstandserhebung zu den Basiskompetenzen in Deutsch und Mathematik durchgeführt. Zur Stärkung dieser Basiskompetenzen erhalten die Schüler in Klasse 5 /6 insgesamt 3 zusätzliche Unterrichtsstunden. Zur Unterstützung bei den Fördermaßnahmen kommen seit einiger Zeit außerdem pädagogische Assistentinnen /Assistenten zum Einsatz. Bei uns ist das Frau Arnold, die immer donnerstags an der Schule ist.

Da wir aber eine staatliche Regelschule sind, werden unsere Schüler natürlich auch in ihren Leistungen beurteilt und erhalten Zeugnisse. Für die Notengebung werden dabei folgende Leistungsnachweise herangezogen:

  • Klassenarbeiten und Tests
  • Vorträge und Präsentationen
  • Ergebnisse von Wochenplan- oder Freiarbeit und von Projekten
  • praktische Leistungen
  • mündliche Leistungen