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Kooperation einer Schule für Geistigbehinderte mit einer Regelschule

 

Entwicklungsbericht der Außenklasse Nendingen
für das Schuljahr 2009/2010

Vorbemerkungen: 

Nach Abschluss der ersten Kooperationsmaßnahme, welche von 2000 bis 2009 durchgeführt wurde, alle Jahrgänge einbezog von erster bis neunter Klasse, wurde in diesem Schuljahr mit einer neuen Eingangsklasse gestartet.

Während die vorige Klasse auf Elternwunsch dreier Familien in Nendingen begonnen wurde, deren  Kinder schon die örtlichen vorschulischen Einrichtungen besucht hatten, wohnen die jetzigen Schüler der Außenklasse sehr verstreut in den Kreisgemeinden und haben keinen unmittelbaren Bezug zu Nendingen.  Es gab in der letzten Außenklasse direkte Geschwister-verbindungen zur Schule, nachbarschaftliche Beziehungen, familiäre und freundschaftliche Verbindungen unter den Schülern beider Schularten und deren Eltern, man kannte sich aus den Vereinen oder war innerörtlich durch Zufallsbegegnungen bekannt. Davon konnte auch das schulische Leben profitieren, es gab direkte und intensive Kontakte in den Elternver-tretungen der Schule und das Interesse der Außenklassen - Eltern am Schulleben war insgesamt sehr groß.

Hinzu kam die Tatsache, dass viele Eltern täglich oder häufig ihre Kinder selbst von der Schule abholten, was einen engen Kontakt zwischen Elternschaft und Klassenlehrerinnen und einen direkten, intensiven Einblick in die tägliche schulische Arbeit ermöglichte. Infolgedessen war die Unterstützung, die die Lehrerinnen für ihre Unterrichtsarbeit erhielten, sehr groß und organisatorische Voraussetzungen konnten flexibler den unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Maßnahmen angepasst werden.

Außerdem erfolgte der Transport der Schüler weitgehend unabhängig von der Stammschule über ein Taxi und ein Busunternehmen, wobei das Taxiunternehmen teilweise sehr flexibel und bereitwillig auf geänderte Abfahrtszeiten eingehen konnte und das Busunternehmen im Rahmen seiner Möglichkeiten auch. Die Schüler der Außenklasse waren morgens kurz vor 8 Uhr in der Schule und bis zum Unterrichtsbeginn um 8.20 Uhr konnten alle notwendigen individuellen Vorbereitungen mit den Schülern in der erforderlichen Ruhe abgeschlossen werden. Kooperationsunterricht war ab 8.20 Uhr möglich!

Die Beförderung der jetzigen Außenklassenschüler erfolgt in direkter Anbindung an den gesamten Schülertransport der Stammschule, da die Mitglieder der Außenklasse aus den unterschiedlichsten Kreisgemeinden stammen. Verkehrsknotenpunkt ist für alle Zubringer die Stammschule in Tuttlingen, von wo aus die Außenklassenschüler nach Nendingen verbracht werden, allerdings mit entsprechender Zeitverzögerung und weitreichenden Konsequenzen für die pädagogische Arbeit und für den Umfang der Kooperation.

 

Übersicht über die kooperativen Aktivitäten der Außenklasse Nendingen im Schuljahr 2009/2010:

Eine Zusammenstellung der gemeinsamen Aktivitäten findet sich im Anhang, ebenso wie eine Kopie des Stundenplanes.

Darstellung der Gesamtsituation:

Die nun schon im 10. Schuljahr praktizierte  Zusammenarbeit zwischen den Kolleginnen der GHS Nendingen und den Außenklassenlehrerinnen der JPHS konnte ohne Einschränkungen aufgenommen werden. Die Außenklassenkollegin, welche erstmals das Koop – Team ergänzte, verfügt über mehrjährige Kooperationserfahrung in einer früheren Außenklasse der Johann-Peter-Hebel-Schule und konnte sich nicht nur frühzeitig in die pädagogische Arbeit  integrieren, sondern weitere Aspekte aus dem eigenen Außenklassen - Unterricht in die kooperative Planungsarbeit einbringen.

Die Außenklasse wird besucht von 5 Jungen, die Gruppengröße entspricht der der anderen Grundschulstufengruppen in der Stammschule. Alle 5 Schüler wurden direkt eingeschult in die Außenklasse Nendingen. 4 Schüler besuchten den Sonderschulkindergarten der JPHS, 1 Schüler kam aus einer Grundschulförderklasse hinzu. Die Zusammenstellung der Außen-klasse erfolgte über eine entsprechende Elternberatung der Sonderschullehrer in der Frühberatungsstelle. Alle 5 Schüler verfügen über eine gut ausgebaute aktive Sprache und zeigten sich sehr offen und kommunikativ auch in der größeren Schülergruppe (mit Aus-nahme des von Autismus betroffenen Schülers, wobei dieser auch über gut ausgebaute sprachliche Fähigkeiten verfügt).

 Im Schuljahr 09/10 wurde für die Kooperation eine Eingangsklasse mit 16 Schülerinnen und Schülern gewählt. Diese 1. Klasse wurde geführt von einer Grundschullehrerin. Frau Woerner, die einmal die klassenbezogene Planung mit ihren Kolleginnen aus den Parallelklassen (Frau Ulmer und Frau Schnepf) vornahm, als auch Partnerin für die gemeinsame Planungsarbeit mit den Außenklassenkolleginnen war.  Zu Beginn eines größeren Planungsabschnittes trafen sich die Kolleginnen aus den beiden JÜK - Klassen a und b (jahrgangsübergreifend 1/2) , und den direkten Kooperationspartnern der Klasse 1c mit  der Außenklasse Nendingen,  um den Unterricht inhaltlich abzustimmen und die außerunterrichtlichen Aktivitäten festzulegen. Ergänzt wurde das Koop - Team durch  2 Kolleginnen, die den Bewegungsbereich (Frau Seifritz) und den Gestaltungsbereich (Frau Dangelmaier) abdeckten. Die Bereitschaft der Kolleginnen aus der GHS war groß, sich an der Kooperationsarbeit zu beteiligen. Als größtes Hindernis erwiesen sich die unterschiedlichen Unterrichtszeiten, die den Gestaltungsfreiraum für die gemeinsame Arbeit erheblich einschränken. Die in den Entwicklungsberichten der Außenklasse seit vielen Jahren erhobene Forderung nach Angleichung der Unterrichtszeiten an die der Grundschule, später an die der Hauptschule, muss uneingeschränkt mit größtem Nachdruck erhoben werden. Erschwerend kommt hinzu, dass der über den Verkehrsknotenpunkt Stammschule geführte Schülertransport zu erheblichen Verweilzeiten der Außenklassenschüler in der Stammschule führt, bei welchen die Schüler zwar beaufsichtigt, die unterrichtlich oder für die Entsprechung individueller Bedürfnisse  jedoch nicht genutzt werden können. Dem gegenüber steht der erhebliche Zeitdruck für Schüler und Außenklassenlehrerinnen, unter welchem pflegerische (z. B. Toilettentraining) und organisatorische Maßnahmen vor, nach oder zwischen den Kooperationsstunden durchgeführt werden müssen (z.B. die Kommunikation mit dem Elternhaus, die häufig nicht über Absprachen mit den Schülern erfolgen kann, sondern via Informationsheft durchgeführt wird, das Einsammeln des Essengeldes für den Schülermittagstisch etc.). Es schließt sich die dringende Bitte nach Prüfung der Möglichkeit zur Angleichung der Unterrichtszeiten der Außenklasse an die der GHS Nendingen an, verbunden mit dem Wunsch nach einem eigenständigen Schülertransport.

Die Außenklasse der JPHS wurde und wird in der GHS Nendingen als gesamtschulische Aufgabe verstanden, allerdings wechselnd im Schwerpunkt der Kooperation. In den zurückliegenden Jahren war schon der größte Teil der Kolleginnen und Kollegen der GHS Nendingen mit der Kooperationsarbeit befasst. Ansätze zum Team – Teaching und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Außenklassenkolleginnen und den Schülern, war jederzeit gegeben. So stellten sich im zurückliegenden Schuljahr die Neuntklässler zur Verfügung, Patenschaften für die neuen Außenklassenschüler zu übernehmen und eine Mitverantwortung im Bedarfsfall zu übernehmen. Auch der zuständige Klassenlehrer (Herr Schmid) war bereit, einen Teil seiner Unterrichtszeit für die notwendigen Absprachen zwischen den Schülergruppen abzutreten. In Anspruch genommen wurde dieses Angebot in der ersten Zeit nach der Einschulung während der großen Pause, teilweise beim Schulmittagstisch und bei der Durchführung des Waldsporttages.  Die Neuntklässler erfüllten ihre Aufgaben mit großer Einsatzbereitschaft und erfreulichem Verantwortungsbewusstsein. Seitens des Lehrerkollegiums wurden häufig Angebote zu gemeinsamen Aktionen an die Außenklassenlehrerinnen herangetragen, weil Kooperationsarbeit konkreter vorstellbar und planbar geworden war.

Bei aller Selbstverständlichkeit einer Außenklasse an der GHS Nendingen darf die Elternschaft der künftigen Schüler nicht vergessen werden. Es wurde am  gemeinsamen Einschulungselternabend  erneut deutlich, das integrativer Unterricht den Eltern der Grund-schüler und den Eltern der Außenklasse frühzeitig und umfassend erläutert werden muss, insbesondere die Zuständigkeiten der Lehrkräfte für ihre jeweiligen Schulart und die Nachrangigkeit des kooperativen Unterrichtes gegenüber der Erfüllung des Grundschul-Bildungsplanes erhöhte deutlich die Akzeptanz dieser Kooperationsmaßnahme.

 Nendingen, im Oktober 2010